Die Asylpolitik der Schweiz hat erneut zum Verlust eines Menschenlebens geführt
Der leblose Körper des kurdischen Asylsuchenden Yaşar Akkoyun aus dem Kanton Zug, gemeldet in Maraş, wurde im Zugersee gefunden. Zu seinem Tod gibt es bislang keine klare und transparente Erklärung seitens der offiziellen Behörden. Obwohl von einem Suizid ausgegangen wird, bleiben zahlreiche Fragen zum Ablauf offen.
Nach Aussagen von Mitbewohner:innen aus derselben Asylunterkunft war Yaşar Akkoyun seit etwa einem Monat vermisst. Dennoch wurde weder eine umfassende Such- und Rettungsaktion eingeleitet noch die Öffentlichkeit oder zivilgesellschaftliche Organisationen informiert. Obwohl seine Kleidung bereits vor etwa einer Woche am Seeufer gefunden wurde, blieben wirksame Maßnahmen seitens der Behörden aus.
Besonders erschütternd ist, dass Akkoyun bereits vor etwa sechs Monaten einen schweren Suizidversuch unternommen hatte. Berichten zufolge versuchte er in der Asylunterkunft, sein Bett in Brand zu setzen, um sich das Leben zu nehmen. Trotz dieses offensichtlichen Risikos wurde ihm im Anschluss keine kontinuierliche psychologische Betreuung zur Verfügung gestellt. Das Ausbleiben präventiver und schützender Maßnahmen offenbart erneut strukturelle Versäumnisse im Schweizer Asylsystem.
Die jahrelangen, von Unsicherheit geprägten Asylverfahren stellen für viele Geflüchtete eine enorme psychische Belastung dar. Immer wieder aufgeschobene Entscheidungen, ein Leben ohne gesicherten Aufenthaltsstatus sowie der eingeschränkte Zugang zu Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe rauben den Menschen jede Zukunftsperspektive. Besonders für Personen mit Flucht- und Gewalterfahrungen führt dies zu tiefer Isolation, Hoffnungslosigkeit und psychischer Erschöpfung.
Geflüchtete fordern nicht nur physische Sicherheit, sondern auch ein würdiges Leben, niederschwellige psychosoziale Unterstützung und ein menschenwürdiges Asylverfahren. Die Schweiz ist aufgrund internationaler Abkommen verpflichtet, diese Verantwortung zu übernehmen. Verzögerungen, mangelnde Kontrolle und institutionelle Gleichgültigkeit führen jedoch in der Praxis zu irreversiblen Folgen.
Der Tod von Yaşar Akkoyun darf nicht als Einzelfall betrachtet werden. Er ist das Ergebnis einer Asylpolitik, die von langen Wartezeiten, unzureichender psychosozialer Unterstützung und einem gleichgültigen Umgang mit Vermisstenfällen geprägt ist.
Als PangeaKolektif fordern wir die zuständigen Behörden auf, den gesamten Verlauf dieses Todesfalls transparent offenzulegen und unverzüglich präventive sowie schützende Maßnahmen umzusetzen, die die psychische Gesundheit von Geflüchteten in den Mittelpunkt stellen. Es darf nicht zugelassen werden, dass ein weiterer Mensch in dieser Unsicherheit und Einsamkeit verloren geht.
PangeaKolektif