FA: „Ich habe Angst, getötet zu werden, wenn man mich in die Türkei zurückschickt“
F.A. (44), deren Asylgesuch in der Schweiz abgelehnt wurde, sagt, sie habe Angst, von ihrem Ex-Mann getötet zu werden, falls sie gemeinsam mit ihren beiden Töchtern in die Türkei abgeschoben werde. Trotz ärztlicher Atteste über die erlittene Gewalt, einer gerichtlichen Schutzanordnung und dokumentierter Morddrohungen wurde ihr Fall geschlossen. „Wer wird mich 24 Stunden am Tag schützen?“, fragt sie.
Der folgende Bericht wurde im Rahmen der feministischen Solidaritätsarbeit von PangeaFeminist erstellt. Er basiert auf den Gesprächen mit F.A., auf den von ihr zur Verfügung gestellten Dokumenten sowie auf den Informationen, die Mitglieder von PangeaFeminist während der Begleitung ihres Falls gesammelt haben. Die Menschenrechtsverletzungen, mit denen F.A. im Asylverfahren konfrontiert ist, sowie ihre Angst vor einer Rückführung wurden als Teil eines feministischen Solidaritäts- und Beobachtungsprozesses dokumentiert.
Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern floh F.A. (44) aus der Türkei. Heute kämpft sie im italienischsprachigen Kanton Tessin in der Schweiz unter prekären und unsicheren Bedingungen um ihre Zukunft.
F.A. berichtet, sie habe ihr Heimatland aufgrund jahrelanger Gewalt, bewaffneter Drohungen und Nachstellungen durch ihren Ex-Mann verlassen. Ihr Asylgesuch in der Schweiz wurde jedoch innerhalb kurzer Zeit abgelehnt. Auch ihre Beschwerden und Rechtsmittel blieben erfolglos. Nun droht ihr und ihren beiden Kindern die Abschiebung.
"Er stürmte mitten in der Nacht in mein Haus"
F.A. sagt, sie habe sich vor fünf Jahren von ihrem Ex-Mann getrennt. Die Trennung habe sie jedoch nicht vor weiterer Gewalt geschützt.
Nach ihren Schilderungen kam ihr Ex-Mann häufig unter dem Vorwand, die Kinder sehen zu wollen, zu ihr nach Hause. Eines Nachts drang er gewaltsam in ihre Wohnung ein und schlug sie vor den Augen ihrer beiden Töchter.
Nach dem Angriff ließ sie die Verletzungen medizinisch dokumentieren und erwirkte vor Gericht eine Schutzanordnung. Dennoch hätten die Drohungen nicht aufgehört.
„Trotz der Schutzanordnung hielt er sich immer wieder in der Umgebung meines Hauses auf. Ich informierte die Polizei. Man sagte mir: ‚Solange er Ihnen keinen Schaden zufügt, können wir nicht eingreifen.‘“
“Seine Waffen wurden nur für 21 Tage eingezogen„
F.A. erklärt, ihr Ex-Mann habe zwei Schusswaffen besessen. Aus Angst vor diesen Waffen habe sie jahrelang geschwiegen.
Sie berichtet, die Waffen seien nach ihren Anzeigen zwar beschlagnahmt worden, doch die Maßnahme habe nur kurze Zeit angedauert:
„Seine Waffen wurden nur für 21 Tage eingezogen. Am 22. Tag bekam er sie zurück. Von diesem Moment an wurde meine Angst noch größer.“
Nachdem eine nahe Verwandte von ihrem Ehemann getötet worden war, habe sie erkannt, dass sie nicht länger warten könne. Daraufhin habe sie beschlossen, gemeinsam mit ihren Kindern die Türkei zu verlassen.
Sie sagt, sie sei verfolgt worden
F.A., die in Adana lebte, berichtet, dass sie nach der Trennung nicht mehr arbeiten konnte und ständig verfolgt wurde.
Eine Zeit lang habe sie sich mit ihren Kindern bei Bekannten versteckt. Später sei sie nach Istanbul gezogen, um ihre Spur zu verlieren. Dennoch hätten die Morddrohungen angehalten.
“Er versuchte ständig, mich zu finden. Er sagte: ‚Ich werde dich töten.„
Auch in der Schweiz wurde ihr Fall geschlossen
Auch in der Schweiz wurde ihr Fall geschlossen
F.A. erklärt, sie habe im November 2024 bei den Schweizer Behörden ein Asylgesuch gestellt. Dieses sei jedoch innerhalb kurzer Zeit abgelehnt worden.
Auch die darauf folgenden Beschwerden seien erfolglos geblieben. Heute seien ihre Sozialleistungen gekürzt worden, sie sei aus Integrationsprogrammen ausgeschlossen worden und nur ihren Kindern sei es möglich, ihre Ausbildung fortzusetzen.
Ihre beiden Töchter hätten sich schnell an ihr neues Leben angepasst. Die ältere Tochter ist 13 Jahre alt, die jüngere 9.
"Wer wird mich schützen?"
F.A. berichtet, die Behörden hätten ihr erklärt, dass es in der Türkei Institutionen gebe, die Frauen unterstützen und schützen.
Für sie stelle dies jedoch keine ausreichende Sicherheit dar.
„Man sagte mir, dass es in der Türkei Einrichtungen zum Schutz von Frauen gibt. Darauf habe ich gefragt: Wer wird mich 24 Stunden am Tag schützen? Wird ständig jemand an meiner Seite sein?“
Nach Einschätzung von F.A. ist die größte Gefahr im Falle einer Rückführung in die Türkei ihr Tod.
“Wenn man mich in die Türkei zurückschickt, habe ich Angst, getötet zu werden.„
Zur Aufhebung der gegen F.A. und ihre Kinder verhängten Wegweisungs- beziehungsweise Abschiebungsentscheidung wurde eine Unterschriftenkampagne gestartet.