Schweizer Asylpolitik und Femizide: Exklusives Interview mit Ragekit
Das Team von PangeaFeminist traf sich mit dem Ragekit-Team, um die umstrittenen Ablehnungsentscheidungen bei Asylgesuchen in der Schweiz sowie die lebensbedrohlichen Risiken für Frauen aus der Türkei zu dokumentieren.
Ragekit, eine militante Gruppe aus der Schweiz, produziert Inhalte zu gesellschaftlichen und politischen Themen über Instagram und YouTube und richtet sich insbesondere an jüngere Generationen. Ohne davor zurückzuschrecken, sensible Themen anzusprechen, und engagiert in solidarischen Dynamiken mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, führte Ragekit ein ausführliches Interview mit Zelal Karataş, einer der Koordinatorinnen von PangeaFeminist, sowie mit Doğan Güneş Güzel, Mitglied von PangeaFeminist. Das Interview beleuchtet die Haltung des Staatssekretariats für Migration (SEM) gegenüber gefährdeten Asylsuchenden sowie die tragischen Folgen dieser Politik.
Vernachlässigung und Tragödie: Der Fall Zilan Altıntaş
Einer der eindrücklichsten Teile des Interviews betrifft die Geschichte von Zilan, die in der Schweiz Asyl beantragt hatte. Die 25-jährige Frau wurde nach der Ablehnung ihres Antrags gezwungen, in die Türkei zurückzukehren. Nur eine Woche nach ihrer Rückkehr wurde sie unter verdächtigen Umständen tot aufgefunden. Frauen, die mit ihr in Flüchtlingsunterkünften in der Schweiz gelebt hatten, bezeugen diesen Fall. Zilan war vor dem Vater ihres damals einjährigen Kindes geflohen und hatte in der Schweiz Schutz gesucht. Nach der Ablehnung kehrte sie in die Türkei zurück. Am 21. Januar 2024 wurde sie in einem Hotelzimmer in İzmit, in dem sie mit ihrem Ehemann und ihrem Kind wohnte, im Badezimmer erhängt aufgefunden. Nach Gesprächen mit der Anwaltskammer Istanbul und der Plattform „Wir werden die Femizide stoppen“ wurde deutlich, dass ohne die Bemühungen eines Familienmitglieds, den Fall von einem verdächtigen Todesfall als Femizid einzustufen, die Bemühungen der Anwältinnen erfolglos bleiben würden.
Leben unter Abschiebungsbedrohung
Die aktuelle Situation von Güneş, die in der Schweiz lebt, stellt einen weiteren Beleg für die drohende Gefahr dar. Sie soll gemeinsam mit ihrer Tochter in die Türkei abgeschoben werden und ist dort dem Risiko ausgesetzt, von ihrem Ehemann getötet zu werden. Während ihrer Ehe war sie vielfältiger Gewalt ausgesetzt und versuchte jahrelang, sich und ihre Tochter zu schützen: durch Flucht, die Dokumentation körperlicher Gewalt, das Einfordern rechtlichen Schutzes, das Überleben einer Geiselnahme ihrer Tochter, die eine spezielle Rettungsoperation erforderte, sowie eines absichtlich gelegten Brandes in der Wohnung, in der sich ihre Tochter befand. Sie dokumentierte all diese Ereignisse. Angesichts der bevorstehenden Entlassung ihres Ex-Ehemanns aus dem Gefängnis und der von ihm aus dem Gefängnis gesendeten Drohbriefe floh sie schließlich in einem letzten Versuch zu überleben in die Schweiz. Ihre Geschichte zeigt erneut, dass die Ablehnungsentscheidungen des SEM nicht nur administrative Maßnahmen sind, sondern potenziell Verletzungen des Rechts auf Leben darstellen.
Zunahme der Femizide nach dem Austritt aus der Istanbul-Konvention
Obwohl die Türkei als demokratischer Rechtsstaat dargestellt wird, ist seit dem Austritt aus der Istanbul-Konvention im Jahr 2021 ein drastischer Anstieg von Femiziden und verdächtigen Todesfällen von Frauen zu beobachten. Die Daten der Plattform „Wir werden die Femizide stoppen“ (KCDP) bestätigen diesen alarmierenden Anstieg statistisch. Im Interview wird betont, dass es inakzeptabel ist, dass internationale Schutzmechanismen diese Daten ignorieren. Zudem wird hervorgehoben, dass die Entscheidungen des SEM in keiner Weise mit der soziologischen Realität der Türkei übereinstimmen.
PangeaFeminist setzt seinen Kampf entschlossen fort, um das Recht der Frauen auf Leben zu verteidigen und ihre Stimmen hörbar zu machen. Diese Zusammenarbeit mit Ragekit zielt darauf ab, die Lücken des Systems sichtbar zu machen und den Widerstand fortzuführen, damit keine Frau der Gewalt schutzlos ausgeliefert wird.